KDP Self Publishing heißt: Du lädst Dein Buch bei Amazon Kindle Direct Publishing selbst hoch, legst Titel, Cover, Kategorien und Preis fest und verkaufst innerhalb von rund 24 bis 72 Stunden auf Amazon. Der Upload kostet Dich nichts. Du behältst alle Rechte an Deinem Buch. Amazon behält einen Anteil am Verkaufspreis und zahlt Dir den Rest als Tantiemen aus.
Das ist die kurze Antwort. Die lange Antwort ist wichtiger, denn zwischen „veröffentlicht“ und „verkauft sich“ liegt ein ganzer Arbeitsblock, den kaum jemand erklärt. Wir messen bei BuchBuddy täglich Bestseller-Ränge und Bewertungen von hunderten Büchern auf Amazon. Was wir dabei sehen: Die meisten Entscheidungen, die später über Sichtbarkeit entscheiden, triffst Du im KDP-Formular, oft in weniger als zehn Minuten und ohne zu wissen, was sie bewirken.
Dieser Artikel führt Dich durch den kompletten Ablauf, die deutschen Besonderheiten (Buchpreisbindung, Impressum, Steuerinterview, ISBN) und durch das, was nach dem Livegang passieren muss.
Was KDP ist und was es nicht ist
KDP ist eine Selbstbedienungsplattform. Amazon stellt Dir die Infrastruktur: Produktseite, Zahlungsabwicklung, Druck auf Bestellung, Auslieferung des eBooks. Alles davor und alles danach liegt bei Dir.
Ein Verlag ist etwas anderes. Ein Verlag wählt aus, lektoriert, gestaltet, kalkuliert, bringt das Buch in den Buchhandel und übernimmt das Risiko. Dafür bekommt er die Verwertungsrechte für viele Jahre und Du bekommst je nach Vertrag einen einstelligen Prozentsatz. Wenn Dich dieser Vergleich beschäftigt, lies unseren Beitrag zum Traum vom Verlagsvertrag.
KDP ist auch kein Distributor wie Tolino Media oder BoD. Diese Dienste liefern Dein Buch an viele Shops gleichzeitig aus, inklusive Thalia, Hugendubel, Apple Books oder den stationären Buchhandel. KDP verkauft im Wesentlichen bei Amazon. Das ist gleichzeitig die Stärke und die Grenze: Amazon ist im deutschsprachigen Raum der mit Abstand größte Einzelkanal für Selfpublishing-Titel, aber eben nur ein Kanal.
Wichtig, weil oft falsch verstanden: Die Rechte an Deinem Buch bleiben bei Dir. Du erteilst Amazon eine Vertriebslizenz und kannst Dein Buch jederzeit wieder offline nehmen. Die einzige echte Bindung ist KDP Select, dazu gleich mehr.
Der Ablauf: von der Anmeldung bis zur Buchseite
Der Weg ist immer derselbe, egal ob Roman oder Fachbuch. Plane für die Formalitäten einen Nachmittag ein, nicht zehn Minuten.

- Konto eröffnen: Du meldest Dich auf kdp.amazon.com mit Deinem Amazon-Konto an. Detailliert Schritt für Schritt findest Du das in unserer Anleitung zum Amazon KDP Account, und falls es beim Einloggen klemmt, hilft der Beitrag zum KDP Login.
- Steuerinterview und Bankdaten: Ohne diesen Schritt zahlt Amazon Dir nichts aus. Du durchläufst ein Online-Formular (das Steuerinterview, für Privatpersonen faktisch die Angaben nach W-8BEN), gibst Deine deutsche Steueridentifikationsnummer an und bestätigst Deine Ansässigkeit in Deutschland. Dadurch greift das Doppelbesteuerungsabkommen und Amazon behält keine US-Quellensteuer ein. Machst Du das nicht sauber, fehlen Dir später Prozente.
- Titeldaten eingeben: Titel, Untertitel, Autorenname, Beschreibung, Verlagsangabe (kannst Du frei wählen), Sprache, Reihenzugehörigkeit.
- Kategorien und Keywords: Bis zu sieben Keyword-Felder und mehrere Kategorien. Der wichtigste Teil des Formulars und der Teil, den fast alle in zwei Minuten abhaken.
- Manuskript und Cover hochladen: eBook als EPUB oder DOCX, Print als PDF mit korrektem Beschnitt. Nutze immer die Vorschaufunktion und sieh Dir jede Seite an.
- Preis festlegen: Tantiemenmodell wählen, Preis für Amazon.de setzen, Preise für andere Marktplätze prüfen.
- Prüfung und Livegang: Amazon prüft die Datei, meist innerhalb von 24 bis 72 Stunden. Danach ist die Buchseite online.
Bei Print bestellst Du unbedingt ein Korrekturexemplar, bevor Du das Buch bewirbst. Farben und Kontraste sehen gedruckt anders aus als am Bildschirm.
Formate und Tantiemen im Vergleich
KDP bietet Dir eBook, Paperback und Hardcover. Du kannst alle drei aus demselben Titel heraus anlegen, sie erscheinen dann auf einer gemeinsamen Produktseite.
- eBook, 70 Prozent Tantieme: möglich in einem Preiskorridor von 2,99 bis 9,99 Euro (netto, Amazon rechnet ohne Umsatzsteuer). Abgezogen werden Übertragungskosten je nach Dateigröße. Für die meisten Sachbücher und Romane ist das die sinnvolle Wahl.
- eBook, 35 Prozent Tantieme: für Preise unterhalb oder oberhalb dieses Korridors. Wer sein eBook für 0,99 Euro anbietet, landet automatisch hier.
- Paperback und Hardcover: bis zu 60 Prozent Tantieme, davon werden die Druckkosten abgezogen. Die Druckkosten hängen von Seitenzahl, Format und Farbdruck ab. Bei dünnen Büchern bleibt wenig übrig, bei sehr dicken Büchern steigt der Mindestpreis stark.
- KDP Select und Kindle Unlimited: Du gibst Amazon für 90 Tage Exklusivität für die digitale Fassung. Dafür landet Dein eBook in Kindle Unlimited und Du wirst pro gelesener Seite vergütet. Print bleibt davon unberührt. Für Genres mit vielen Vielleser:innen ist das oft lohnend, für Expertenbücher mit hohem Preis eher nicht.

Rechne einmal nach, bevor Du Dich festlegst. Ein 250-seitiges Paperback für 14,99 Euro bringt Dir nach Druckkosten oft deutlich weniger als ein eBook für 6,99 Euro. Print ist trotzdem wichtig, weil viele Leser:innen ein gedrucktes Buch als Qualitätssignal lesen und weil es die Grundlage für Rezensionsexemplare ist.
Deutsche Pflichten, die englische Anleitungen nicht erwähnen
Hier trennt sich Selfpublishing in Deutschland von dem, was auf US-Blogs steht.
- Buchpreisbindung: In Deutschland legst Du als Verlegerin oder Verleger Deines eigenen Buches den Endpreis fest, und dieser Preis gilt verbindlich für alle Händler. Willkürliche Rabattaktionen sind bei Printbüchern nicht möglich. eBooks fallen ebenfalls unter die Preisbindung. Preisänderungen müssen ordnungsgemäß angekündigt werden. Plane Deinen Preis also von Anfang an sauber, statt später herumzuprobieren.
- Impressumspflicht: Dein Buch braucht ein Impressum mit ladungsfähiger Anschrift. Ein Postfach reicht nicht. Wer die eigene Privatadresse nicht veröffentlichen möchte, arbeitet mit einer Geschäftsadresse oder einem Impressumsservice.
- ISBN: KDP stellt Dir eine kostenlose ISBN für Printbücher bereit. Sie funktioniert, weist aber Amazon als Verlag aus und ist für den klassischen Buchhandel weitgehend unbrauchbar. Mit einer eigenen ISBN (in Deutschland über die MVB) bist Du selbst der Verlag, kannst ins Verzeichnis lieferbarer Bücher und später zu anderen Distributoren wechseln, ohne die Nummer zu verlieren. eBooks brauchen bei KDP keine ISBN.
- Steuern und Nebentätigkeit: Verkäufe sind Einkünfte. Je nach Umfang bist Du gewerblich oder freiberuflich tätig, die Kleinunternehmerregelung kann greifen. Kläre das früh mit Deinem Steuerbüro, bevor die erste Abrechnung kommt.
Kategorien, Keywords, Beschreibung: die eigentlichen Stellschrauben
Amazon ist eine Suchmaschine mit Kasse. Dein Buch wird gefunden, weil jemand danach sucht oder weil es in einer Kategorieliste weit oben steht. Beides steuerst Du über Metadaten.
Kategorien: Wähle Kategorien, in denen Dein Buch inhaltlich wirklich zuhause ist und in denen die Konkurrenz überschaubar ist. Eine sehr große Kategorie klingt attraktiv, versteckt Dich aber hinter tausend Titeln. Eine passende Unterkategorie macht Dich sichtbar und liefert Dir das Bestseller-Abzeichen, wenn es läuft.
Keywords: Sieben Felder, jedes mit mehreren Wörtern. Nutze Formulierungen, die Deine Zielgruppe tatsächlich eintippt, keine abstrakten Einzelbegriffe. „Buch“ oder „Ratgeber“ bringen nichts. „Selbstständigkeit nebenberuflich starten“ schon eher. Zu breite Keywords kosten Dich später Sichtbarkeit und locken die falschen Leser:innen an, dazu haben wir beschrieben, wie Du verhinderst, dass Dein Buch bei falschen Suchanfragen erscheint.
Beschreibung: Die ersten zwei Zeilen entscheiden, ob jemand auf „Mehr lesen“ klickt. Beginne mit dem Problem oder der Spannung, nicht mit Deiner Vita. Was dabei zieht, haben wir in was Leser wirklich neugierig macht aufgeschrieben.
Der Bestseller-Rang: Er ist keine Bewertung Deiner Qualität, sondern eine Momentaufnahme der Verkäufe im Verhältnis zu allen anderen Büchern, mit starker Gewichtung der letzten Stunden und einer abklingenden Wirkung älterer Verkäufe. Deshalb springt der Rang nach einem einzelnen Verkauf steil nach oben und fällt danach wieder. Interessant ist nicht der Wert an einem Tag, sondern die Kurve über Wochen.
Nach dem Livegang: hier beginnt die Arbeit
Der Upload ist erledigt, die Seite ist online, und dann passiert oft: wenig. Das ist normal und kein Urteil über Dein Buch. Amazon zeigt Titel, die sich verkaufen. Ein Buch ohne Verkäufe und ohne Bewertungen hat noch keine Signale, an denen sich der Algorithmus orientieren kann.
- Bewertungen aufbauen: Die ersten Rezensionen sind die schwersten. Sprich Leser:innen aktiv an, arbeite mit Leseexemplaren, weise am Buchende freundlich auf die Bewertungsmöglichkeit hin. Das BuchBuddy-Lesenetzwerk ist genau dafür da.
- Autorenseite einrichten: Über Amazon Author Central legst Du Dein Profil an, verknüpfst alle Titel und bekommst zusätzliche Sichtbarkeit.
- Rangverlauf beobachten: Notiere oder tracke den Bestseller-Rang täglich. Nur so erkennst Du, ob eine Maßnahme gewirkt hat oder ob es Zufall war.
- Preis testen, im Rahmen der Preisbindung: Beim eBook hast Du mehr Spielraum als beim Print. Ein Preis, der zum Genre passt, verkauft besser als ein zu mutiger.
- Werbung: Amazon Ads funktionieren, brauchen aber Geduld und ein sauberes Keyword-Set. Ohne stimmige Produktseite verbrennst Du nur Budget.
- Reihe aufbauen: Das zweite Buch verkauft oft das erste mit. Wer plant, langfristig zu veröffentlichen, sollte das früh mitdenken.
Realistische Erwartung: Die meisten Bücher entwickeln sich nicht in einer Woche, sondern über Monate. Ein Startpush hebt den Rang für einige Tage, danach fällt er wieder ab, das ist der Normalfall. Entscheidend ist, auf welchem Niveau sich der Rang einpendelt und ob dieses Niveau über die Monate steigt. Warum die Zeit nach der Release-Woche zählt, haben wir in wie bleibt mein Buch relevant nach der Release-Woche ausführlich beschrieben.
Typische Fehler vor dem Upload
Diese vier sehen wir immer wieder, und alle vier lassen sich vorher beheben.
- Cover ohne Genre-Signal: Dein Cover muss in der Thumbnail-Größe funktionieren und auf den ersten Blick sagen, worum es geht. Ein hübsches Cover, das das falsche Genre signalisiert, kostet Dich Klicks. Mehr dazu in unserem Beitrag, warum Dein Buchcover über Erfolg oder Misserfolg entscheiden kann.
- Falsche Kategorie: Wer sein Sachbuch in eine sehr allgemeine Kategorie legt, konkurriert mit Bestsellern großer Verlage.
- Zu breite Keywords: Einzelwörter ohne Kontext bringen keine Sichtbarkeit.
- Manuskript ohne Lektorat: Die ersten Rezensionen erwähnen Fehler zuverlässig, und eine Zwei-Sterne-Bewertung wegen Tippfehlern bleibt jahrelang stehen.
Was KDP wirklich kostet
Der Upload kostet null Euro. Es gibt keine Grundgebühr, keine Einrichtungspauschale, keine Vertragslaufzeit. Geld kostet alles andere: Lektorat und Korrektorat, Cover, Satz, gegebenenfalls eine eigene ISBN, Korrekturexemplare, Werbung.
Wo Du sparen kannst und wo nicht, hängt von Deinem Ziel ab. Ein Expertenbuch, das Dich als Fachperson positionieren soll, darf kein Layout aus der Textverarbeitung haben. Ein erster Roman im Nebenberuf verträgt mehr Eigenleistung. Wir haben dazu aufgeschrieben, wann sich professionelle Unterstützung lohnt.
Ob sich das rechnet, entscheidet die Rechnung, die Du vor dem Start aufmachst: Wie viele Exemplare musst Du bei Deiner Tantieme verkaufen, um Deine Investition zu decken? Bei einem eBook für 6,99 Euro und rund 4 Euro Tantieme sind 1.000 Euro Produktionskosten etwa 250 Verkäufe. Das ist erreichbar, aber nicht in zwei Wochen. Und wenn Dein Buch vor allem Kundschaft in Dein Angebot bringen soll, rechnest Du ohnehin anders.
Prüfen statt raten
Der größte Unterschied zwischen Autor:innen, deren Bücher laufen, und denen, deren Bücher stehen, ist selten das Talent. Es ist die Frage, ob nach dem Livegang jemand hinschaut. Ob die Kategorie trägt, ob die Keywords greifen, ob der Preis passt, siehst Du nicht im KDP-Dashboard, sondern im Verlauf von Bestseller-Rang und Bewertungen über Wochen. Wenn der Rang trotz Werbung flach bleibt, liegt das Buch oft schlicht in der falschen Nische, und dann hilft keine weitere Anzeige, sondern eine neue Positionierung.
Genau dafür gibt es BuchBuddy. Du kannst Bestseller-Rang und Bewertungen Deines Buches vier Wochen lang kostenlos beobachten und siehst schwarz auf weiß, wie Dein Titel auf Deine Maßnahmen reagiert. Danach entscheidest Du auf Basis von Daten, nicht von Bauchgefühl.
Häufige Fragen
Was kostet die Veröffentlichung über KDP?
Die Veröffentlichung selbst ist kostenlos. Es gibt keine Einrichtungsgebühr und keine Grundgebühr. Amazon behält stattdessen einen Anteil am Verkaufspreis ein und zahlt Dir Tantiemen aus. Geld kostet Dich alles um das Buch herum: Lektorat, Korrektorat, Coverdesign, Satz, Korrekturexemplare und Werbung. Diese Ausgaben planst Du am besten, bevor Du mit dem Schreiben fertig bist.
Brauche ich für KDP eine eigene ISBN?
Für eBooks brauchst Du bei KDP keine ISBN. Für Paperback und Hardcover stellt Amazon Dir eine kostenlose ISBN bereit, die aber Amazon als Verlag ausweist und für den klassischen Buchhandel kaum nutzbar ist. Mit einer eigenen ISBN bist Du selbst Verlag, kommst ins Verzeichnis lieferbarer Bücher und kannst später den Dienstleister wechseln, ohne die Nummer zu verlieren.
Wie lange dauert es, bis mein Buch bei Amazon online ist?
Nach dem Upload prüft Amazon Deine Dateien. In der Regel ist Dein Buch innerhalb von 24 bis 72 Stunden auf Amazon verfügbar. Bei Printbüchern solltest Du zusätzlich Zeit für ein Korrekturexemplar einplanen, das Du vor jeder Werbemaßnahme wirklich in der Hand gehabt haben solltest. Rechne insgesamt lieber mit ein bis zwei Wochen bis zum sauberen Start.
Bleiben meine Rechte bei KDP bei mir?
Ja. Du erteilst Amazon eine Vertriebslizenz und behältst alle Rechte an Deinem Text. Du kannst Dein Buch jederzeit wieder aus dem Verkauf nehmen oder woanders veröffentlichen. Eine Ausnahme ist KDP Select: Dort verpflichtest Du Dich für jeweils 90 Tage, die digitale Fassung exklusiv über Amazon anzubieten. Die gedruckte Ausgabe ist davon nicht betroffen.
Warum verkauft sich mein KDP-Buch nach der Veröffentlichung nicht?
Meist fehlen Signale. Ohne erste Verkäufe und Bewertungen hat Amazon keinen Anlass, Dein Buch auszuspielen. Prüfe der Reihe nach: Passt das Cover zum Genre, ist die Kategorie eng genug, sprechen die Keywords echte Suchanfragen an, macht die Beschreibung in den ersten zwei Zeilen neugierig? Beobachte danach den Bestseller-Rang über mehrere Wochen, statt einzelne Tage zu bewerten.
Der Upload bei KDP ist in einer Stunde erledigt, die Sichtbarkeit danach nicht. Wenn Du nicht allein herausfinden willst, welche Kategorien, Keywords und Startmaßnahmen Deinem Titel wirklich Ränge bringen, schau Dir an, wie wir bei BuchBuddy Bücher nach der Veröffentlichung vermarkten. Wir arbeiten dabei mit denselben Ranking- und Bewertungsdaten, die wir täglich für hunderte Titel auf Amazon messen.