Amazon KDP (Kindle Direct Publishing) ist Amazons Selfpublishing-Plattform. Du lädst Manuskript und Cover hoch, legst den Preis fest und Dein Buch ist meist innerhalb von 72 Stunden als E-Book, Taschenbuch oder Hardcover im Amazon-Shop kaufbar. Vorab zahlst Du nichts. Amazon behält je nach Format und Preis einen Anteil vom Verkauf, die Rechte an Deinem Buch bleiben komplett bei Dir.
Das ist die kurze Antwort. Die längere lautet: Der Upload ist der einfache Teil. Entscheidend ist, welche Angaben Du in den Formularfeldern machst und was in den Wochen danach mit Deinem Bestseller-Rang passiert. Genau dort hören die meisten Anleitungen auf.
Wir tracken bei BuchBuddy täglich Bestseller-Ränge und Bewertungen von hunderten Büchern. Deshalb steht in diesem Guide nicht nur, wo Du klicken musst, sondern auch, welche Entscheidungen sich später überhaupt in Sichtbarkeit übersetzen und welche Erwartungen realistisch sind.
Was KDP ist und was es nicht ist
KDP ist ein Vertriebs- und Produktionskanal, kein Verlag. Es gibt keine Lektorin, kein Marketingbudget, keine Buchhandelsvertretung. Du bist Autor, Verlag und Vertriebsleitung in einer Person.
- E-Book: erscheint für Kindle-Geräte und Kindle-Apps, bekommt eine ASIN, braucht keine ISBN.
- Taschenbuch und Hardcover: laufen über Print-on-Demand. Es wird erst gedruckt, wenn jemand bestellt. Kein Lager, keine Mindestauflage.
- Verkauf: ausschließlich über die Amazon-Shops. Buchhandlungen und andere Onlineshops erreichst Du damit nicht.
- Rechte: bleiben bei Dir. Du kannst Dein Buch jederzeit zurückziehen, den Preis ändern oder eine neue Fassung hochladen.
Was KDP nicht ist: eine Garantie für Leser. Die Plattform stellt Dein Buch ins Regal. Ob jemand vorbeikommt, entscheiden Metadaten, Positionierung und Deine eigene Arbeit an der Sichtbarkeit.
Kosten und Tantiemen, mit konkretem Rechenbeispiel
KDP verlangt keine Vorabgebühren. Kosten entstehen nur pro Verkauf.
E-Book: Du wählst zwischen 70 und 35 Prozent Tantieme. Die 70 Prozent bekommst Du nur, wenn Dein Preis im Korridor von 2,99 bis 9,99 Euro liegt. Darunter oder darüber bleiben 35 Prozent. Bei 70 Prozent zieht Amazon zusätzlich Übermittlungskosten ab, berechnet nach Dateigröße pro Megabyte. Bei reinem Text sind das Cent-Beträge, bei bildlastigen Sachbüchern kann es spürbar werden. Gerechnet wird immer auf den Netto-Preis, die Mehrwertsteuer geht vorher ab.
Beispiel E-Book zu 4,99 Euro im deutschen Shop: Nach Abzug der Mehrwertsteuer bleiben rund 4,66 Euro netto. 70 Prozent davon sind etwa 3,26 Euro, minus Übermittlungskosten landest Du bei ungefähr 3,20 Euro pro verkauftem Exemplar.
Print: Hier gilt ein fester Tantiemensatz von 60 Prozent des Netto-Listenpreises, davon gehen die Druckkosten ab. Die Druckkosten hängen von Seitenzahl, Format und Farbe ab. Ein Taschenbuch mit 200 Seiten Schwarzweißdruck kostet nach den aktuell gültigen Sätzen etwa 3 Euro Druck. Bei einem Verkaufspreis von 12,99 Euro bleiben Dir grob 4,70 bis 4,80 Euro. Rechne die Werte vor dem Festlegen des Preises im KDP-Rechner nach, sie ändern sich gelegentlich.
Merke Dir daraus zwei Dinge: Ein Taschenbuch bringt pro Stück oft mehr Tantieme als das E-Book, verkauft sich aber meist deutlich seltener. Und ein E-Book für 0,99 Euro bringt Dir nach Abzügen nur rund 25 Cent, weil Du dort in der 35-Prozent-Stufe bist.
Der Ablauf: von der Anmeldung bis zur Freischaltung
- KDP-Konto anlegen: Du brauchst Steuerdaten (Steuer-ID beziehungsweise USt-IdNr., wenn vorhanden) und Bankverbindung. Ohne das ausgefüllte Steuerinterview behält Amazon auf US-Umsätze Quellensteuer ein. Häufige Stolperfalle: Name im KDP-Konto und Kontoinhaber weichen ab, dann bleiben Zahlungen liegen.
- Buchdetails eingeben: Titel, Untertitel, Autorenname, Serie, Beschreibung, Keywords, Kategorien. Wichtig: Titel und Untertitel lassen sich später nur begrenzt ändern, bei Print faktisch gar nicht. Tippfehler hier sind teuer.
- Manuskript hochladen: Beim E-Book DOCX oder EPUB, bei Print eine druckfertige PDF mit Anschnitt und korrekten Rändern. Prüfe die Vorschau Seite für Seite. Der häufigste Ablehnungsgrund im Print sind zu knappe Innenränder bei hoher Seitenzahl.
- Cover: Für Print musst Du die Rückenbreite exakt zur Seitenzahl und Papiersorte berechnen. Ein Cover, das im Thumbnail nicht lesbar ist, kostet Dich mehr Verkäufe als jeder andere Fehler auf dieser Liste.
- Preis und Vertriebsgebiete: Beim E-Book 70 oder 35 Prozent wählen, Preise für alle Shops setzen. Amazon kann Fremdwährungen automatisch umrechnen, das führt manchmal zu krummen Preisen.
- Veröffentlichen: Danach läuft die Prüfung. Rechne mit bis zu 72 Stunden. Bei Print bestellst Du am besten ein Korrekturexemplar, bevor Du bewirbst.
KDP Select und Kindle Unlimited: exklusiv oder breit?
Mit KDP Select verpflichtest Du Dich, das E-Book 90 Tage exklusiv über Amazon anzubieten. Dafür landet es in Kindle Unlimited, Du wirst nach gelesenen Seiten aus einem globalen Topf vergütet und kannst Preisaktionen wie Countdown-Deals oder Gratis-Tage nutzen. Das Taschenbuch bleibt davon unberührt, die Exklusivität betrifft nur die digitale Fassung.
Wann sich das lohnt: bei Romanen und Genres mit vielen Vielleserinnen und Vielleser, bei Serien, bei Debüts ohne eigene Leserschaft. In unseren Trackingdaten schlagen Kindle-Unlimited-Leser sich in stabileren Rängen nieder, weil kontinuierliche Seitenaufrufe die Sichtbarkeit stützen.
Wann eher nicht: bei Ratgebern und Fachbüchern mit hohem Preis, wenn Du eine eigene Community oder einen Shop hast, oder wenn Du bewusst breit verkaufen willst (Tolino, Apple Books, Kobo). Fachbücher zu 14,99 Euro und mehr verdienen pro Verkauf ohnehin mehr, als Seitenlesen einbringt.
Metadaten sind der eigentliche Verkaufsmotor
Amazon ist eine Suchmaschine mit Kasse. Sichtbarkeit entsteht dort aus zwei Quellen: Suchtreffer und Kategorie-Bestsellerlisten. Beides steuerst Du über Felder, die Du beim Upload ausfüllst.
- Titel und Untertitel: Der Untertitel ist bei Sachbüchern Dein wichtigstes Keyword-Feld. Er sollte das Problem benennen, nicht nur klingen.
- Sieben Keyword-Felder: Nutze alle sieben. Keine Wortwiederholungen aus dem Titel, keine Konkurrenznamen, keine Begriffe wie „Bestseller“. Denke in kompletten Suchphrasen, die Leser eintippen würden.
- Bis zu drei Kategorien: Das ist eine Positionierungsentscheidung, kein Formularfeld. Schau Dir vorher an, welche Bestseller-Ränge die Bücher auf den Plätzen 1 bis 20 der Kategorie haben. In einer Kategorie, in der Platz 10 bei Rang 3.000 liegt, brauchst Du täglich Verkäufe für Sichtbarkeit. In einer Nische, in der Platz 10 bei Rang 60.000 liegt, reichen wenige Exemplare für ein Ranking-Abzeichen.
- Buchbeschreibung: Erste zwei Zeilen entscheiden, ob „Mehr lesen“ geklickt wird. Schreibe für Leser, nicht für Algorithmen, aber lass die Hauptbegriffe natürlich einfließen.
Nach dem Klick auf Veröffentlichen: den Bestseller-Rang lesen
Der Amazon Bestseller-Rang (ABSR) ist die zentrale Kennzahl im KDP-Alltag. Er zeigt, wie sich Dein Buch relativ zu allen anderen im Shop verkauft, stündlich aktualisiert. Er gewichtet aktuelle Verkäufe stark und ältere kaum. Deshalb steigt er nach einer Kaufwelle schnell und fällt genauso schnell wieder, oft schon innerhalb von einem bis zwei Tagen.
Größenordnungen im deutschen Kindle-Shop, wie wir sie im Tracking sehen (Näherungswerte, keine Amazon-Angaben):
- Rang um 200.000: einzelne Verkäufe pro Monat, oft wochenlang keiner.
- Rang um 30.000: grob ein Verkauf am Tag oder jeden zweiten Tag.
- Rang um 5.000: mehrere Verkäufe täglich, Kategorie-Platzierungen werden sichtbar.
- Rang unter 1.000: zweistellige Verkaufszahlen pro Tag, Amazon beginnt, Dich in Empfehlungen auszuspielen.
Praktisch heißt das: Ein einzelner Aktionstag hebt den Rang kurz und bringt Dir wenig, wenn danach nichts folgt. Interessant ist die Kurve über Wochen. Wenn Dein Rang nach jeder Aktion auf ein höheres Grundniveau zurückkehrt als vorher, funktioniert Deine Sichtbarkeit. Bleibt er flach, liegt das Problem meist bei Cover, Beschreibung oder Kategorie, nicht am Traffic.
Das KDP-Dashboard zeigt Dir Verkäufe, KENP-Seiten und Tantiemen, aber keinen Rangverlauf und keine Bewertungshistorie. Genau diese beiden Zahlen brauchst Du, um Ursache und Wirkung zu erkennen. Bewertungen sind der zweite Hebel: Bücher mit einer Handvoll ehrlicher Rezensionen konvertieren messbar besser als Titel ohne Sterne, weil die Sternchen unter dem Titel über den Klick entscheiden.
Rechtliches, Qualität und die Regeln
- ISBN: Für Print bekommst Du bei KDP eine kostenlose ISBN, dann steht „Independently published“ als Verlag. Mit eigener ISBN (in Deutschland über die MVB) trittst Du als eigener Verlag auf und kannst dieselbe Ausgabe auch anderswo produzieren. E-Books brauchen bei KDP keine ISBN.
- Impressum: In Deutschland gilt die Impressumspflicht auch für Bücher. Trage eine vollständige, ladungsfähige Adresse ein. Ein Postfach genügt nicht.
- KI-Inhalte: Wenn Text, Bilder oder Übersetzungen KI-generiert sind, musst Du das beim Upload angeben. Die Angabe ist intern, sie erscheint nicht auf der Produktseite.
- Bewertungen: Gekaufte oder gegen Bezahlung erzeugte Rezensionen sind verboten und können Dein Konto kosten. Erlaubt ist, Leseexemplare zu verteilen und um eine ehrliche Meinung zu bitten, ohne die Bewertung zu steuern. Genau so arbeitet auch unser Lesenetzwerk.
KDP-Alternativen und Ergänzungen
Wenn Du nicht exklusiv bei Amazon bleiben willst, gibt es sinnvolle Ergänzungen: Tolino Media für den deutschen E-Book-Handel inklusive Thalia und Hugendubel, BoD und epubli für Print mit Auslieferung an den Buchhandel und Verzeichnismeldung, Draft2Digital für internationale E-Book-Shops. Print über KDP und E-Book zusätzlich über Tolino ist eine gängige Kombination.
Die Faustregel: Amazon macht im deutschen E-Book-Markt den größten Teil Deiner Verkäufe. Breite Distribution lohnt sich, wenn Du eine Zielgruppe außerhalb von Amazon erreichst oder Buchhandlungen bespielen willst. Sonst gewinnst Du mit KDP Select oft mehr, als Du an anderen Kanälen verlierst.
Realistische Erwartungen an die ersten Wochen
Die meisten KDP-Bücher verkaufen wenige Exemplare. Das liegt selten am Text. Es liegt daran, dass niemand das Buch findet. Nach unseren Trackingdaten machen vor allem diese Punkte den Unterschied:
- eine Kategorie, in der Dein realistisches Verkaufsniveau für eine sichtbare Platzierung reicht
- ein Cover, das im Thumbnail funktioniert, plus eine Beschreibung mit starkem Einstieg
- die ersten ehrlichen Bewertungen innerhalb der ersten Wochen statt nach Monaten
- ein Preis im 70-Prozent-Korridor, wenn Du Tantiemen willst, oder KDP Select, wenn Du Leser willst
- mehrere Impulse über Wochen statt eines einzigen Starttages
Plane den Start deshalb nicht als Ereignis, sondern als Zeitraum von etwa acht Wochen. In dieser Phase siehst Du an der Rangkurve, ob Positionierung und Metadaten tragen, und kannst nachjustieren. Titel und Beschreibung darfst Du jederzeit ändern, Keywords und Kategorien ebenfalls. Wer das einmal datenbasiert macht, spart sich viel Rätselraten. Wenn Du dabei Unterstützung willst, findest Du unsere Marketingpakete mit Positionierungsanalyse und Zugang zum BuchBuddy-Lesenetzwerk.
Und bevor Du irgendetwas optimierst: Fang an zu messen. Mit BuchBuddy kannst Du Bestseller-Rang und Bewertungen Deines Buches täglich beobachten, die ersten vier Wochen kostenlos. Hier kannst Du Dein Buch anlegen und siehst schon nach wenigen Tagen, wie sich Deine KDP-Entscheidungen auswirken.
Häufige Fragen
Kostet Amazon KDP etwas?
Nein, es gibt keine Vorabgebühren. Du zahlst nichts für Upload, Konto oder Freischaltung. Amazon verdient pro Verkauf: beim E-Book über die Tantiemenstufe von 70 oder 35 Prozent plus Übermittlungskosten nach Dateigröße, beim Print über 60 Prozent Tantieme minus Druckkosten. Optionale Kosten entstehen nur, wenn Du Lektorat, Cover, Werbeanzeigen oder Korrekturexemplare selbst bezahlst.
Wie viel verdiene ich an einem E-Book für 4,99 Euro?
Rund 3,20 Euro pro Verkauf im deutschen Shop. Gerechnet wird auf den Netto-Preis, nach Abzug der Mehrwertsteuer bleiben etwa 4,66 Euro. Davon 70 Prozent sind ungefähr 3,26 Euro, minus Übermittlungskosten nach Dateigröße. Wichtig: Die 70 Prozent gelten nur zwischen 2,99 und 9,99 Euro. Außerhalb dieses Korridors bekommst Du 35 Prozent.
Was bedeutet ein Bestseller-Rang von 30.000?
Im deutschen Kindle-Shop entspricht das nach unseren Trackingdaten grob einem Verkauf pro Tag oder jeden zweiten Tag. Der Rang gewichtet aktuelle Verkäufe stark und fällt nach einer Kaufwelle innerhalb von ein bis zwei Tagen wieder. Aussagekräftig ist deshalb nicht der Momentwert, sondern die Kurve über mehrere Wochen und ob sie auf einem höheren Niveau bleibt.
Sollte ich KDP Select nutzen?
Es lohnt sich meist bei Romanen, Serien und Debüts ohne eigene Leserschaft, weil Kindle Unlimited kontinuierliche Seitenaufrufe und damit stabilere Ränge bringt. Bei Ratgebern und Fachbüchern mit Preisen ab etwa 14,99 Euro verdienst Du pro Verkauf mehr als über Seitenlesen. Die Exklusivität gilt 90 Tage und betrifft nur das E-Book, Dein Taschenbuch darfst Du überall anbieten.
Brauche ich für KDP eine eigene ISBN?
Für E-Books nicht, sie erhalten eine ASIN. Für Taschenbuch und Hardcover stellt KDP eine kostenlose ISBN bereit, dann erscheint „Independently published“ als Verlag. Mit eigener ISBN, in Deutschland über die MVB, trittst Du als eigener Verlag auf und kannst dieselbe Ausgabe zusätzlich über andere Dienstleister produzieren. Das Impressum mit ladungsfähiger Adresse ist in beiden Fällen Pflicht.