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Du hast dein Buch fertig geschrieben, das Lektorat ist durch und das Cover glänzt. Jetzt stellt sich die alles entscheidende Frage: Soll ich voll auf Amazon setzen oder lieber breit streuen?

Amazon ist im Buchmarkt ein Gigant, an dem kaum ein Weg vorbeiführt. Aber „groß“ bedeutet nicht automatisch „perfekt für jeden“. Schauen wir uns die Fakten an.

 

Die Pro-Argumente: Warum Amazon die erste Wahl ist

  • Die größte Suchmaschine für Käufer: Menschen gehen nicht zu Google, um Bücher zu kaufen – sie gehen häufig zu Amazon. Wenn dein Buch dort gut gelistet ist, stehst du direkt vor der kaufbereiten Kundschaft.
  • Der Algorithmus arbeitet für dich: Wenn du die ersten Verkäufe generierst, fängt Amazon an, dein Buch unter „Kunden, die dies kauften, kauften auch…“ anzuzeigen. Das ist kostenloses Marketing auf Steroiden.
  • KDP Select & Kindle Unlimited: Durch das Exklusiv-Programm kannst du Leihgebühren verdienen. Für viele Self-Publisher ist das die Haupteinnahmequelle, da Leser eher mal in ein „gratis“ Buch reinschnuppern.
  • Einfache Werbung (Amazon Ads): Du kannst direkt dort Anzeigen schalten, wo die Leute suchen. Das ist oft effizienter als Social-Media-Werbung.

 

Die Contra-Argumente: Wo die Fallen lauern

  • Die „Alles auf eine Karte“-Gefahr: Wenn du dich für das Exklusiv-Programm (KDP Select) entscheidest, darfst du dein E-Book nirgendwo anders anbieten – nicht auf deiner Website, nicht bei Thalia oder Apple Books. Du verpflichtest dich, dein E-Book für mindestens 90 Tage ausschließlich über Amazon zu verkaufen. Du darfst es in dieser Zeit nirgendwo anders (auch nicht auf deiner eigenen Website) anbieten.
  • Du gehörst Amazon (ein bisschen): Wenn Amazon die Regeln ändert oder dein Konto sperrt, ist dein gesamtes Business über Nacht weg.
  • Preiskampf: Amazon ist ein Marktplatz, auf dem viel über den Preis entschieden wird. Der Druck, dein Buch für 0,99 € anzubieten, um in die Charts zu kommen, ist hoch. Du ziehst eine „Schnäppchen-Zielgruppe“ an, die oft kritischer bewertet und weniger loyal ist als Leser, die bereit sind, einen fairen Preis für gute Inhalte zu zahlen.
🡪  Die Tantiemen-Falle (Finanzen)

Hier wird es mathematisch schmerzhaft. Bei Amazon gibt es eine klare Grenze:

Unter 2,99 €: Du erhältst nur 35 % Tantiemen. Von den 0,99 € bleiben dir nach Abzug der Umsatzsteuer also nur ca. 0,31 € bis 0,35 € pro verkauftem Buch.

Ab 2,99 €: Du erhältst 70 % Tantiemen.

Das bedeutet: Du musst fünfmal so viele Bücher für 0,99 € verkaufen wie für 2,99 €, um am Ende denselben Gewinn in der Tasche zu haben. Das ist ein gewaltiger Marketing-Aufwand für das gleiche Ergebnis.

🡪  Schwierige Preissteigerung
  • Hast du deine Leser erst einmal an den „Billig-Preis“ gewöhnt, ist der Sprung zurück nach oben schwer.
  • Wenn du den Preis später auf 4,99 € oder 6,99 € anhebst, fühlen sich Bestandskunden oft vor den Kopf gestoßen.
  • Es ist leichter, mit einem fairen Preis zu starten und gezielte, zeitlich begrenzte Rabattaktionen (z. B. via KDP Select) zu machen, als von einem „Dumping-Niveau“ mühsam hochzuklettern.
🡪 Entwertung der Arbeit
  • Ein Buch zu schreiben, zu lektorieren und zu setzen kostet hunderte Stunden Arbeit und oft tausende Euro Investment. Ein Preis von 0,99 € deckt in den seltensten Fällen diese Fixkosten, es sei denn, man verkauft sechsstellige Stückzahlen.

 

Die Strategie-Frage: Exklusiv oder „Wide“?

Wann du exklusiv auf Amazon setzen solltest: Wenn du gerade erst anfängst, im Genre (Krimi, Romance, Fantasy) schreibst und schnell Sichtbarkeit willst. Die Tools von Amazon erleichtern den Einstieg extrem.

Wann du „Wide“ (überall) gehen solltest: Wenn du dir eine eigene Marke unabhängig von Plattformen aufbauen willst oder Sachbuchautor bist, dessen Zielgruppe vielleicht lieber im lokalen Buchhandel oder bei spezialisierten Shops kauft.

 

Fazit: Was ist die richtige Wahl?

Es gibt kein Richtig oder Falsch, nur ein „Passend“. Für die meisten Self-Publisher ist der Start über Amazon der schnellste Weg zu den ersten Lesern. Aber: Marketing ist mehr als nur eine Plattform.