Hand aufs Herz: Wenn das Buch fertig ist, will man eigentlich nur noch auf „Veröffentlichen“ klicken. Doch dann klopft die leise Stimme im Hinterkopf an: „Sind da noch Fehler drin? Liest sich das flüssig?“
Die kurze Antwort lautet: Ja, du kannst viel selbst machen – aber du wirst nie alles sehen.
Die drei Phasen des „Self-Editings“
Bevor du jemanden externen fragst, solltest du deinen Text selbst in Form bringen. Das spart nicht nur Zeit, sondern schärft auch dein eigenes Profil als Schreiber.
- Das inhaltliche Lektorat: Schau zuerst auf den roten Faden. Ergibt die Argumentation Sinn? Sind die Charaktere glaubwĂĽrdig? Hier darfst du mutig sein: Streiche alles, was die Handlung nicht voranbringt.
- Das Stil-Lektorat: Hier geht es um den „Sound“. Weg mit den Schachtelsätzen, weg mit dem Passiv-Wahn und her mit starken Verben.
- Das Korrektorat: Das ist die klassische Fehlersuche auf Buchstabenebene. Kommata, Tippfehler, doppelte Leerzeichen.
Warum wir fĂĽr unsere eigenen Fehler blind sind
Unser Gehirn ist leider zu schlau für uns. Wenn wir unseren eigenen Text lesen, wissen wir bereits, was dort stehen sollte. Unser Gehirn füllt die Lücken automatisch aus und überliest Buchstabendreher oder fehlende Wörter einfach. Man nennt das „Cognitive Blindness“. Du liest nicht, was auf dem Papier steht, sondern das, was in deinem Kopf gespeichert ist.
5 Tipps, wie du dich selbst korrigierst
Wenn du dich selbst an die Korrektur wagst, brauchst du Distanz zum Text. Probiere diese Tricks aus:
- Abstand gewinnen: Lass den Text mindestens drei Tage liegen. Je fremder er dir ist, desto eher findest du Fehler.
- Laut vorlesen: Deine Ohren hören Fehler, die deine Augen übersehen. Wenn du beim Lesen stolperst, stimmt meistens der Rhythmus nicht.
- Schriftart ändern: Formatiere das Dokument radikal um (z. B. von Arial in eine Serifenschrift). Das „überlistet“ dein Gehirn, weil das Schriftbild plötzlich neu aussieht.
- Rückwärts lesen: Um reine Tippfehler zu finden, lies den Text Satz für Satz von hinten nach vorne. So konzentrierst du dich nur auf die Wörter, nicht auf den Sinngehalt.
- Digitale Helfer: Tools wie das LanguageTool oder der Duden Mentor sind super fĂĽr die grobe Vorarbeit, aber sie ersetzen niemals das menschliche SprachgefĂĽhl.
Wo das Eigenlektorat an seine Grenzen stößt
Es gibt Momente, da reicht die eigene Mühe einfach nicht aus. Bei einem kurzen Hobby-Blogpost ist es völlig okay, wenn du selbst Hand anlegst und ein Tool drüberlaufen lässt. Ein kleiner Vertipper verzeiht die Leserschaft hier meistens.
Kritisch wird es jedoch bei Projekten mit Außenwirkung. Bei einem Roman geht es um deine Glaubwürdigkeit als Autor. Hier wirken Fehler schnell unprofessionell und kosten Vertrauen (oder im schlimmsten Fall Kunden). In diesen Fällen ist ein zweites Paar Augen – am besten von einem Profi – die wichtigste Investition in dein Werk.
Mein Fazit
Ja, du kannst und solltest das Lektorat bis zu einem gewissen Punkt selbst machen. Es macht dich zu einem besseren Autor. Aber für Projekte, die dir wirklich am Herzen liegen, solltest du den „Tunnelblick“ am Ende abgeben.
Mein Tipp: Sei dein härtester Kritiker, aber erkenne den Punkt, an dem du Hilfe brauchst, um dein Werk glänzen zu lassen.